Lena Ley
Leseprobe
Drachenträger-Der vierfache Eid
Prolog
Die Sonne gelangte in diesen Tagen kaum mehr über die Kämme der Berge. Frost und Eis hatten die Wege schwierig und gefährlich gemacht, und Jonnis lenkte seinen zotteligen Wallach mit Bedacht über die spiegelglatten Steine. Der alte Krämerwagen, auf dem er saß, ächzte bei jeder Wegbiegung.
Er sehnte sich seit Stunden nach der nächsten Dorfschänke mit einem wärmenden Feuer und heißem Pflaumenbrand. Seufzend schob sich der Alte seine Fellmütze zurecht und blickte suchend den gewundenen Weg hinauf. So weit das Auge reichte nur schroffe Felswände, im eiskalten Wind war kein Rauch wahrzunehmen. Das nächste Dorf schien noch weit zu sein.
Jonnis kannte die Straßen und Pässe durch die Mondsteinberge, er klapperte immer wieder aufs Neue sämtliche Orte dieser rauen Grafschaft ab. Die Leute hier waren seit jeher grimmig und nicht sehr großzügig, sodass er jeden Kupferer hart erarbeiten musste. Doch seit der Katastrophe auf der Burg schien man hier noch misstrauischer und härter zu sein.
Vielleicht war es doch langsam an der Zeit, sich eine andere Gegend für seine Waren zu suchen. Seine geschwollenen Gelenke würden es ihm danken.
Im Winter schien ihm die Landschaft wie ausgestorben, nur Schnee und kahler Mondsteinschiefer. Hin und wieder huschte ein magerer Fuchs über die Felsen, ein verlorener Farbtupfer in all dem Weiß.
Er dachte zunächst an einen verletzten Steinbock, als sich vor ihm etwas bewegte. Am Wegrand türmten sich Gesteinsbrocken zu beiden Seiten, und dort, tief im Schnee, kauerte etwas.
»Ho!«, rief Jonnis seinem Pferd zu und zog kräftig an den Zügeln.
Ungläubig starrte er auf die zusammengerollte Gestalt herunter.
Das Kind hob langsam den Kopf, seine Haare ähnelten dem verfilzten Fell seines Pferdes, sein Gesicht war verdreckt und ausdruckslos. Nur seine dunklen Augen fixierten Jonnis, der Junge schien nicht einmal zu blinzeln.
»Wo kommst du denn her, Kleiner?«, fragte Jonnis und bemühte sich um einen beruhigenden Tonfall. Behäbig kletterte er von seinem Kutschbock und machte ein paar vorsichtige Schritte auf das Kind zu.
Der Junge, er mochte vielleicht zwölf Jahre alt sein, beobachtete jede seiner Bewegungen, rührte sich aber nicht.
Jonnis kratzte sich am Kopf und schaute prüfend in jede Richtung, konnte aber nirgendwo eine Spur von anderen Menschen finden. Er würde den Jungen wohl mitnehmen müssen.
»Na komm, Kleiner. Du brauchst keine Angst zu haben!«, versprach er, der Schnee knirschte unter einem weiteren Schritt.
»Du musst ja halb erfroren sein. Willst du nicht mit mir ins Warme kommen?«
Der zerschlissene Mantel um seine Schultern schützte ihn wohl kaum vor der Kälte. Jonnis konnte vage Überreste einer Stickerei auf dem fadenscheinigen Stoff erkennen, vielleicht ein Wappen.
Langsam streckte der Alte seine Hand nach ihm aus. Noch bevor er den Jungen berührte, zuckte dieser zurück und umklammerte seinen Mantel fester. Jonnis machte mit ausgestreckter Hand noch einen Schritt auf ihn zu. Da stieß das Kind ein wütendes Fauchen aus – so heiser und brüchig, dass es mehr nach einem Tier klang.
Erschrocken wich Jonnis zurück.
»Ich kann dich mit in ein Dorf nehmen. Willst du nicht an ein warmes Feuer?«, fragte er etwas hilflos und deutete auf seine Kutsche.
Der Junge blickte ihn weiter an, in seinen dunklen Augen glomm etwas, das im fahlen Winterlicht fast wie Glut wirkte.
Dann sagte er tonlos und rau, beinahe unbeteiligt:
»Ich brenne!«
Vereint im Bestreben zu helfen
Sie schwören den vierfachen Eid,
Mächtig und herrlich ein Wesen
Ein Drache erblickt seine Zeit.
1
Hanna beobachtete die Hände und war sich nicht mehr sicher, ob sie wirklich zu ihr gehörten. Sie schrubbten mit gleichmäßigen Bewegungen das nasse Wäschestück über das Waschbrett. Die feuerroten Finger bildeten einen farblich hübschen Kontrast zu dem weißen Bettlaken. Immer wieder die gleichen Handgriffe: rauf und runter gegen das hölzerne Waschbrett. Die Muskeln ihrer Oberarme waren die Arbeit mittlerweile so gewöhnt, dass sie kaum noch schmerzten. Sie sah ihre Hände, ohne das heiße Wasser oder den groben Stoff wahrnehmen zu können.
Warme Dampfschwaden verwischten alle Konturen in der Waschküche und dämpften das Licht.
Mit einem Mal wurde die Luft zäh. Sie wirkte klebrig, wie schmelzende Seife, und hastig versuchte sie tiefer zu atmen. Nichts. Der Druck auf ihrem Brustkorb ließ kaum nach. In ihrem Mund bildete sich ein laugiger Geschmack und für einen Augenblick überfiel sie die absurde Angst, sie hätte Waschwasser eingeatmet. Sie unterdrückte mühsam ein Keuchen. Verstohlen warf sie den anderen Frauen einen Blick zu. Niemand hatte etwas bemerkt.
Was das wohl war?
»Nun erzähl schon weiter, Mora. Was ist denn nun mit der Tochter des Hufschmieds?«, drängte Nellie, eine flachsblonde Frau mit einer großen Spalte zwischen den Schneidezähnen. Sie war nur wenige Jahre älter als Hanna.
»Ich habe gehört, dass sie sich mit dem Sohn des Metzgers an der Nordstraße eingelassen haben soll, obwohl sie eigentlich einem jungen Pferdeknecht versprochen ist.«
Mora nickte zufrieden über die schockierten Gesichter der anderen.
»Dieses kleine Flittchen!«, schimpfte Nellie entrüstet.
»Kein bisschen Ehrgefühl, wie keine von den Furtländern.«
»Das Wasser ist heiß, Hanna!« rief von hinten die Wäschereiherrin.
Hanna hängte eilig die Wäsche an das Brett und verließ die anderen Waschfrauen am Zuber. Ihre Aufgabe war es, das heiße Wasser aus dem Kessel zu holen.
Moras Worte berührten sie schon lange nicht mehr. Auch sie war eigentlich Furtländerin, doch sie lebte schon so lange in Rothlurin und fühlte sich fast wie eine Einheimische. Eilig lief sie mit dem schweren Eimer zwischen Kessel und Zuber hin und her und versuchte, sich an dem heißen Wasser nicht zu verbrühen.
Hanna legte noch etwas Holz nach und begab sich wieder auf ihren Platz zwischen Mora und Nellie. Mora war mittlerweile nahtlos von den Verfehlungen der Hufschmiedsfamilie zum neuesten Klatsch aus den Adelsfamilien übergegangen. Hanna hörte gebannt zu und überließ es ganz ihren Händen, die Arbeit zu tun.
»Hanna, verdammt!«, rief die schrille Stimme der Meisterin.
Hanna schreckte hoch und ließ ihr Wäschestück ins Wasser fallen.
Die verbissene Herrin der Wäscherei stand plötzlich hinter ihr und stemmte ihre dürren Arme in die Hüften.
»Du hast den Eimer immer wegzuräumen, verstanden?«
Noch bevor ihr eine passende Erwiderung einfiel, erntete sie eine schallende Ohrfeige. Die Wäschemeisterin zeigte wenig Zurückhaltung, wenn es um das Verteilen von Schlägen ging.
»Tut mir leid, Meisterin«, brummte sie und rieb sich die Wange. »Ich habe ihn vergessen.«
Die Herrin schnaubte nur wie ein altes Schlachtross und schüttelte unwirsch den Kopf.
Nellie zwinkerte verschwörerisch und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln, sobald sich die Meisterin umdrehte. Sie waren seit den drei Jahren, in denen Hanna hier arbeitete, befreundet und dachten sich die schönsten Schimpfworte für ihre Herrin aus.
Hanna beeilte sich, den Eimer wegzuräumen und nicht weiter aufzufallen. Die Meisterin prüfte mit zusammengezogenen Augenbrauen die Ergebnisse des heutigen Vormittags und entließ die Waschfrauen in die Pause.
Gemeinsam gingen die Frauen zum Speisesaal für die Bediensteten des Hofes und Hanna versuchte noch immer, ihre Atmung wieder in den Griff zu bekommen. Das hatte sie in letzter Zeit immer öfter.
Die frische herbstklare Luft auf dem Hof vertrieb das Gefühl der Enge aber wieder. Ein schneidender Wind wehte Blätter vom Boden auf und jagte sie zwischen die Frauen. Hanna zog sich fröstelnd den leichten Umhang um ihre kräftigen Schultern und strich sich die roten Haare aus dem Gesicht.
Der Speisesaal war um diese Uhrzeit voller Leute. Hier trafen sich alle Bediensteten, vom Pferdeknecht bis zur Zofe. Die Waschfrauen aber hatten einen großen Tisch für sich. Schwatzend und kichernd und mit Holzschüsseln voll Suppe setzten sie sich. Es roch nach immer den gleichen Speisen: Kohl und Brei und eingelegter Hering.
Wie meistens setzte sich Hanna zwischen Mora und Nellie und begann ihre Suppe zu löffeln.
»Habt ihr schon gehört? Graf Marlin ist heute Morgen aus den Blaustahlwäldern zurückgekommen«, rief Mora und tauchte ihren Löffel in die Suppe. Sie hatte wohl gerade diese Nachricht irgendwo aufgeschnappt.
Nellie schüttelte sich und hielt sich zwei Finger auf das rechte Auge zum Schutz gegen das Böse.
»Der Verfluchte. Allein bei dem Namen wird mir schon ganz unheimlich.«
»Mal gespannt, wann er wieder loszieht. Lange hält der es ja nie hier aus«, fragte sich Mora und kaute dabei mit offenem Mund, so dass sie kleine Brotkrümel auf dem Tisch verteilte.
»Ich habe gehört, dass die Königin sich bei ihren Zofen darüber beschwert hat, dass König Sinos nicht gut genug auf ihren Neffen aufpasst«, wusste Nellie zu berichten.
»Na ja, er kann ihn ja schlecht den ganzen Winter in der Feste einschließen.«
Hanna hörte Mora gerne zu, und sie hätte es noch eine Weile getan, doch ihr Blick fiel auf den Jungen, der soeben den Speisesaal betrat und sich mit gesenktem Kopf in der Nähe der Wand aufhielt. Hanna erkannte ihn gleich. Seine Art, sich zu bewegen und die Schultern immer leicht nach oben gezogen zu halten, war unverwechselbar.
»Entschuldigt mich!«, murmelte sie und stand auf. Ihr Bruder sah sie kommen und presste sich an die Wand, als wolle er darin verschwinden.
»Was ist los?«, fragte Hanna, noch bevor sie ihn erreichte.
»Nichts!«, murmelte er und wich ihrem Blick aus.
Er war mit seinen fünfzehn Jahren drei Jahre jünger, aber inzwischen fast größer als sie.
Sie fasste ihn am Kinn und zog sein Gesicht ins Licht. Die linke Wange war so geschwollen, dass er das Auge kaum öffnen konnte. Hanna sog scharf die Luft ein. Ihre eigene Wange schmerzte noch von der Ohrfeige am Morgen, aber Daros Verletzung sah besorgniserregend aus.
»Schon wieder? Hast du nicht versucht, mit dem Küchenmeister zu sprechen? Dieser Widerling verletzt dich irgendwann noch ernsthaft!«
Daro hob die Schultern, unglücklich und trotzig zugleich. Seine langen Glieder wirkten zu groß für seinen Körper, jeder Schritt etwas ungelenk.
»Was soll ich denn machen? Glaubst du, mir gefällt das? Der Koch hasst mich einfach.«
Hanna spürte, wie ihr die Luft wieder enger wurde, so wie vorhin in der Wäscherei.
»Geh ihm einfach aus dem Weg!«, sagte sie rauer, als sie wollte.
»Fantastische Idee, Hanna!«, fauchte Daro. »Dass ich da nicht selbst draufgekommen bin!«
In letzter Zeit verliefen ihre Gespräche immer so.
»Ich weiß nicht, was ich dir sonst sagen soll!«
»Dann sag einfach gar nichts! Ich habe dich nicht um deinen Rat gebeten, Schwester!«
»Gut!«, fauchte sie.
»Gut!«, zischte er zurück und wandte sich ab. Ohne sie noch einmal anzusehen, verschwand er zwischen den Tischen.
Hanna drückte fast unbewusst ihre Hand auf die Brust.
Nach der Mittagspause liefen sie wieder hinüber zur Wäscherei, Hanna wurde langsamer und ließ die kalte Luft auf sich wirken.
Von einem hohen Podest aus wachte das Standbild von Toran, dem Drachentöter, über den gesamten Hof. Toran, der erste Ritter des Großkönigs, der den Mord an seinem Herrn gerächt hatte. Er war als streng schauender großer Mann auf einem feurigen Pferd dargestellt mit dem Drachenbeinschwert am Gürtel.
Hanna fragte sich oft, wenn sie an dem behauenen Stein vorbeiging, ob der Ritter vor vielen Jahrhunderten wohl wirklich so ausgesehen haben mag.
Auch jetzt blieb sie kurz stehen, stieg die zwei Stufen des steinernen Podests hinauf und reckte sich zu der Figur. Sie konnte mit ihren Fingerspitzen das Steinschwert berühren. Rau fühlte es sich an, der Stein war verwittert und an manchen Stellen mit Moos bewachsen. Doch das Vorbild dazu hatte die Macht gehabt, einen Drachen zu töten. Wenn sie so etwas Bedeutendes in den Händen hätte, dann bräuchte sie nie wieder in die Wäscherei. Sie schloss für einen Moment die Augen und versuchte vergeblich, es sich vorzustellen. Mit einem leisen Sehnen in der Brust ließ sie den Stein los und lief den anderen nach.
Seufzend reihte sich Hanna wieder am Zuber neben den anderen Frauen ein, war in Gedanken aber immer noch bei dem steinernen Schwert. Ihr Blick fiel dabei auf Mora, die so zufrieden schien.
Die kleine, drahtige Frau mit grau werdendem Haar und rissigen Händen schien immer ganz in ihrem Element zu sein. Sie war schon seit mindestens zwanzig Jahren in der Wäscherei und lebte für die Wäsche und eine gute Geschichte.
»Glaubst du, dass Toran wirklich einen Drachen getötet hat?«, fragte Hanna nun ihre Nachbarin, als sie wieder alle am Zuber standen.
»Wie kommst du denn darauf, Kind?«, fragte Mora überrascht.
»Also, weißt du das nun?«, beharrte Hanna.
»Man sagt es so, oder nicht? Er wird schon nicht ohne Grund so genannt worden sein.«
»Der Pakt mit den Drachen hat die Westländer geeint«, ergänzte eine andere Waschfrau.
»Ich kenne die Drachenlieder selbst«, erklärte Hanna etwas ungeduldig. »Aber hat er das Schwert wirklich benutzt? Wie hat er damit so ein riesiges Untier töten können?«
Mora zuckte lachend mit den Schultern. »Was weiß ich denn? Wenn du es ganz genau wissen willst, musst du schon einen Schriftgelehrten fragen.«
»Na, als ob ich in die Bibliothek stürmen und die Gelehrten damit belästigen könnte«, schnaubte Hanna belustigt.
»Hier ist wieder eines dieser merkwürdigen Sachen!«, unterbrach Nellie ihr Gespräch und begutachtete ein Leinenhemd aus dem Schmutzwäschekorb.
Sie kam zu den anderen Frauen und hielt ihnen einen Ärmel vor die Augen.
»Seht ihr das? Der ganze Ärmel ist verkohlt!«
Die deutlich sichtbaren Brandflecke verteilten sich über den gesamten Saum.
»Ich möchte ja schon einmal wissen, wie so etwas passieren kann«, meinte Mora und schüttelte missbilligend den Kopf.
***
Marlin sah erschreckend blass und bis ins Mark angespannt aus. Königin Luara drückte unzufrieden die Lippen aufeinander und warf ihrem Mann einen Seitenblick zu. Auch Sinos betrachtete seinen heimgekehrten Ritter, der gerade mitten in seinem Bericht über die Ereignisse in Blauen und den Blaustahlwäldern war.
Ihrem Neffen hing sein ockerbraunes Haar halb im Gesicht, der Blick aus seinen dunklen Augen irrte rastlos durch den Raum. Wie immer wirkte er gehetzt, als sei er auf der Flucht. Und dabei hatte ihr Neffe eigentlich das ebenmäßige Gesicht und die dunkle Schönheit ihrer verstorbenen Schwester geerbt. Manchmal, in den wenigen Momenten, in denen sie Marlin etwas gelöster gesehen hatte, ähnelte er Mayara so sehr, dass sie tiefe Betroffenheit verspürte.
»Der Graf von Blauen lässt Euch Grüße übermitteln und hat zugesagt, die Steuern pünktlich zur Winterwende zu zahlen, Herr«, sagte Marlin gerade an Sinos gewandt. Er zog einen versiegelten Umschlag aus einer abgenutzten Ledertasche an seiner Seite und überreichte ihn dem König. Sinos würde ihn später sorgfältig lesen.
»Wie war dein Eindruck von Blauen? Haben die Blaustahlwäldler den Sturm vom Frühjahr schon überwunden?«
»Der Sturm hat ohne Zweifel einen großen Schaden in den Wäldern angerichtet. Ich habe ganze Landstriche gesehen, in denen kaum noch ein Baum stand, aber die Blauener sind fleißige Leute. Mit den Pflanzungen der neuen Bäume hat man vielerorts schon begonnen.« Marlin hielt kurz inne.
»Aber natürlich versuchte man die Verluste etwas auszuschmücken, um eventuell eine Steuererleichterung herausschlagen zu können.«
Sinos lächelte und auch Luara kannte das Verhandlungsgeschick der Blauener gut.
»Na ja, wir haben sie schon von einer Steuererhöhung verschont, hoffentlich hast du das entsprechend verkauft«, kommentierte Sinos.
Als sich das Gespräch dem Ende zu neigte, trat Luara näher an Marlin heran, sie hatte mit ihm zu reden.
»So geht das nicht weiter, Marlin!«, schalt sie ihn, ohne auf Förmlichkeiten zu achten. Marlin schaute nur schuldbewusst auf seine schlammigen, ausgetretenen Schuhe und zuckte mit den Schultern.
»Wir haben dir lange viel mehr Freiheiten gelassen, als es dein Stand eigentlich erlauben würde«, sagte sie. »Du lebst seit Jahren fast wie ein Landstreicher; die Leute machen sich lustig über dich.«
»Das kümmert mich nicht!«, erwiderte er trotzig, blickte aber nicht auf.
»Aber du bringst auch uns in Verruf damit. Man lacht nicht nur über dich, sondern auch über den Grafen von Wittger und den Neffen der Königin.«
Marlin nickte unglücklich, ohne den Blick von seinen Schuhen zu wenden. Sie hätte ihn am liebsten an beiden Schultern gepackt und geschüttelt oder ihn fest umarmt, weil er so verlassen aussah wie er da vor ihr stand. Aber sie tat nichts von beidem. Immer, wenn sie ihm auch nur die Hand auf die Schulter legte, verspannte ihr Neffe sich so sehr, dass sie fast die Muskeln unter der Kleidung zittern fühlte.
»Ich möchte, dass du mehr auf dich aufpasst«, sagte sie wieder zu ihm, im versöhnlichen Ton diesmal.
Marlin zupfte an seinem dünnen Mantel und schaute hilfesuchend zum König.
»Mir passiert schon nichts, so leicht werde ich nicht krank.«
Wie zum Beweis straffte er seine Schultern etwas und nahm eine aufrechte Haltung an.
»Nein, keine Widerrede. Ich will, dass du dir einen Knappen oder wenigstens einen Leibdiener suchst.«
Sie hatten das Thema schon oft mit dem Jungen diskutiert und dieses Mal würden sie sich nicht mehr geschlagen geben.
»Aber niemand will mein Knappe werden«, entgegnete Marlin. »Ihr wisst das selbst. Ich will niemanden in meine Dienste zwingen, weil ich mich dann nicht auf ihn verlassen kann und dann ist er mir keine Hilfe, sondern nur ein Klotz am Bein.«
»Aber du trägst Titel und Rang, dir steht ein Diener zu. Jemand, der dein Pferd versorgt, der dir die schweren Arbeiten abnimmt und der mehr auf dein Wohl bedacht ist als du es offensichtlich selbst bist«, meinte Sinos und strich sich über seinen ehemals roten Bart, der nun schon mit weißen Strähnen durchzogen war. Vor einigen Tagen hatte Luara mit ihm eine Strategie besprochen und sie waren sich einig.
»Wir werden einen Aufruf auf dem Hof verlauten lassen und auch Nichtadeligen die Möglichkeit geben, in die Dienste eines Ritters zu treten. Da wird sich schon ein geeigneter Kandidat finden.«
»Das ist nicht nötig«, versicherte Marlin, und wollte wohl seine Argumente wiederholen, wie er es schon so oft getan hatte.
Der König aber verzog seine imposanten Augenbrauen zu einer entschlossenen Miene und schnitt ihm mit erhobener Hand das Wort ab.
»Schluss jetzt. Das ist ein Befehl, Ritter. Ich dulde keinen Widerspruch.«
»Aber wenn er freiwillig den Dienst bei mir beenden will, dann werde ich ihn nicht halten«, antwortete Marlin hartnäckig.
Der König brummte nur zur Antwort, stand auf und entließ den Ritter nach draußen.
»Was sagst du dazu, meine Königin?«, wandte Sinos sich an sie. Luara atmete tief durch und half ihm, die Papiere auf dem Tisch zu ordnen. Nachdenklich nahm sie sich ein Glas Wein und trat zum Fenster.
»Ich weiß nicht, ob wir Marlin damit einen Gefallen tun.«
Sie legte die Stirn sorgenvoll in Falten. »Wenn er uns doch nur vertrauen würde…«
Sinos schüttelte traurig den Kopf. »Liebes, der Junge lebt seit damals in einer anderen Welt und er lässt niemanden dort hinein.«
Auch Sinos war mit einem Glas Wein in der Hand neben ihr ans Fenster getreten und schaute auf den großen Innenhof und sein geschäftiges Treiben.
Sie beobachteten ihren Neffen, wie er durch die Menschenmenge schritt, ohne jemanden zu berühren. Manch einer machte sogar hinter seinem Rücken das Schutzzeichen gegen nahendes Unglück.
»Wir können nur froh sein, dass unsere Kinder so unbeschwert sind«, sagte Luara zu ihrem Mann und lächelte bei dem Gedanken.
2
Hanna war gerade auf dem täglichen Weg zum Speisesaal, als sie den Menschenauflauf auf dem Innenhof sah. Neugierig lief sie zu der Menge und reckte den Kopf. Neben ihr fanden sich nun auch Nellie und Mora ein und schauten ebenfalls zu dem breiten Podest des Standbildes. Der Ausrufer, ein kugelrunder Mann mit einer tiefen Bassstimme, rief schallend über den Hof.
»Weißt du, was hier los ist?«, flüsterte Hanna zu Mora, die auch nur mit den Schultern zuckte.
»Volk von Rothlurin, heute wird euch eine besondere Gunst gewährt. Unser verehrter König Sinos ist ein Freund der einfachen Leute”, rief der Ausrufer gerade und breitete die Arme aus.
Es folgte eine lange Lobpreisung auf den König, Hanna verlor die Geduld und hörte nicht mehr zu. Sie hatte Daro einige Reihen weiter vor ihr entdeckt und wollte versuchen zu ihm zu kommen.
»Heute wird einem von euch die Möglichkeit geboten, in die Dienste eines Ritters zu treten – als Knappe, der mit Mut und Treue an seiner Seite steht.«
Ein Raunen ging durch die Reihen und auch Hanna horchte auf. Ein Knappe aus dem Volk, das gab es nicht oft. Meist wurden die Söhne des Land- und Stadtadels in die Dienste der Ritter gestellt, um selbst eines Tages die Ritterehre erlangen zu können. Das war eine besondere Gelegenheit! Aufgeregt schob sie sich weiter zu Daro, der sie immer noch nicht wahrgenommen hatte. Ihr wurde schwindelig bei dem Gedanken, dass ihr Bruder vielleicht…
Die Stimme des Ausrufers unterbrach ihre Überlegungen.
»Wem von Euch soll diese Ehre zuteilwerden? Wer meldet sich freiwillig, der trete nun vor. Wer möchte Diener des edlen Herrn Marlin, Grafen von Wittger, werden?«
Mit einem Schlag wurde die aufgeregte Menge still. Der König mit Graf Marlin und mehreren Soldaten der Königswache bahnten sich ihren Weg durch die Leute und bestiegen nun ebenfalls das Podest.
Auch Hanna blieb stehen. Sie sah, wie viele junge Männer, die sich noch eben nach vorne gedrängt hatten, wieder zurückwichen. Sie hatte Daro fast erreicht und lief nun entschlossen weiter. Was machte es schon, welcher Ritter es war.
»Hier«, rief sie nun laut, aus Angst, jemand anderes könnte sie übertönen und reckte die Arme in die Höhe.
»Hier, mein Bruder könnte das machen!«
Alle drehten sich nach ihr um, besonders Daro selbst starrte sie erschrocken an.
»Was soll das, Hanna?«, entfuhr es ihm, und er lief nun ebenfalls auf sie zu. Mit rotem Kopf versuchte er, ihre Arme runterzureißen, während sie immer noch winkte.
»Bist du wahnsinnig? Ich will doch nicht für den Verfluchten arbeiten!«
Ihr Bruder stand in seiner Küchenjungentracht vor ihr und blitzte sie böse an. Entgeistert schaute Hanna zurück.
»Der Verrückte bist du!«, rief sie laut und merkte kaum, wie sie von der gesamten Menge angestarrt wurde. »Begreifst du denn gar nicht, was für ein Glück das wäre, was sich dir da bieten würde?«
Daro trat von einem Bein auf andere und warf den Leuten unsichere Blicke zu.
»Wenn das so erstrebenswert ist, dann mach es doch selber!«, rief er trotzig. Hanna glühte vor Wut, sie hätte ihn am liebsten geschüttelt.
»Wenn er mich nehmen würde, dann würde ich es auch sofort tun!«, schrie sie, ohne darüber nachzudenken, um sie herum brach Gelächter aus.
»Einverstanden!«, rief da eine Stimme von dem Podest. Wieder wurden die Leute still, diesmal vor Überraschung. Es war Herr Marlin, der gesprochen hatte. Er war vorgetreten und schaute in Hannas Richtung.
»Wenn die junge Dame dort in meine Dienste treten möchte, nehme ich sie an!«
Hanna starrte den Ritter ungläubig an und sah ein angedeutetes Lächeln auf seinen Lippen.
»Soll das ein Scherz sein?«, fragte nun aber der König etwas verärgert, aber Herr Marlin schüttelte den Kopf. Jetzt wandte er sich direkt an Hanna.
»Willst du mein Knappe sein?«
Hanna merkte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss und sie konnte ihn kaum verstehen, so laut pochte es in ihren Ohren. Dennoch zögerte sie nicht. Nie im Leben hätte sie damit gerechnet!
»Ja, ich will!« rief sie so laut, dass wahrscheinlich ganz Rothlurin sie hören konnte.
Herr Marlin nickte zufrieden, doch der König nahm ihn am Arm und redete leise, aber offensichtlich wütend mit ihm. Hanna konnte sie nicht verstehen und sie fühlte sich in der Schwebe - hin und hergerissen. Die Stimme der Vernunft in ihr sagte, dass sie niemals ein Knappe werden könnte, nicht als Gemeine und als Frau schon gar nicht.
Nach einem unerträglich langen Moment trat der Ausrufer wieder vor die Menge.
»Seht her, Ihr Leute, und staunt über die Großzügigkeit Eures Königs. Er gewährt sogar einer Frau diese Ehre, weil sie gezeigt hat, dass sie Mut hat. Tritt hervor, Weib, und beweise, dass du dieser Aufgabe gewachsen bist!«
Man schob Hanna nach vorne und im Nu landete sie auf dem Podest. Sie drehte sich um und sah auf die Leute herunter, die vor ihr standen. Eine bunte Ansammlung aus sämtlichen Berufszweigen und Altersklassen, die alle gespannt zu ihr sahen. Verlegen winkte sie und die Leute jubelten ausgelassen aber unverkennbar spöttisch. Noch bevor sie überhaupt nachdenken konnte, wandten der König und seine Begleiter sich ab und verließen die Plattform in Richtung Palast. Auch Herr Marlin ging mit, ohne sich noch einmal nach ihr umzusehen.
Unschlüssig stand Hanna da, bis ein Mann der Königswache sie mit sich winkte.
Bis jetzt war sie jeden Tag an dem abweisenden weißen Palast vorbei gegangen, ohne ihm besondere Beachtung zu schenken. Die polierte Mondschieferverkleidung an der Fassade stammte aus längst vergangenen Zeiten, aber sie leuchtete immer noch im hellen Glanz. Über dem großen Haupttor, das über eine breite Treppe in der Mitte erreicht werden konnte, schaute eine riesige Drachenstatue auf sie herab. Hier war Lurin, der erste Drache in Stein verewigt, ebenso wie auf den purpurnen Flaggen, die auf den beiden, mit niedrigen Zinnen versehenen Türmen im Wind wehten.
Sie lief hinter dem Wachmann her und betrat zum ersten Mal in ihrem Leben den Palast des Königs. Staunend sah sie die bemalten Wände und die verzierten Decken und lief unsicher auf dem dicken Teppich hinter der Wache her den Gang hinunter. Er führte sie zu einer breiten Treppe und sie stieg die Mondschieferstufen hinauf. Der Wachmann brachte sie in einen leeren Saal, der vornehm und kühl wirkte.
»Warte hier!«, sagte der Mann und ließ sie stehen. Die verzierte Eichentür zog er hinter sich zu.
Hanna stand nun alleine in der Mitte des Raums und blickte sich um. Nur die dicken Vorhänge neben den Fenstern kannte sie, die hatte sie schon öfter gewaschen. Sie ging zum nächsten Fenster und strich über den Vorhangstoff. Sie brauchte einfach etwas Vertrautes.
Eine wütende Stimme ertönte und schon wurde die Tür wieder aufgestoßen. Der König trat zusammen mit seiner Frau, Königin Luara und gefolgt von Herrn Marlin ein. Hanna drehte sich erschrocken um und machte ein paar Schritte weg vom Fenster. Sie war dem Königspaar nie wirklich nah gekommen und war schon gar nicht alleine in einem Raum mit ihnen gewesen. Eilig strich sie ihre Waschfrauenschürze glatt und verneigte sich ungeschickt.
»Eure Majestäten!«, brachte sie mühsam hervor.
»Steh auf!«, sagte der König etwas barsch und Hanna sprang hastig auf. Sie sah, wie Königin Luara ihrem Mann sanft an den Arm fasste und ihn ermahnend anblickte. Dann ergriff sie das Wort.
»Mut hast du ja wirklich bewiesen. Aber ich fürchte, du bist dir gar nicht im Klaren darüber, was du getan hast«, sagte sie nicht unfreundlich. »Vielleicht verrätst du uns erst einmal, wer du bist«, sprach sie weiter und lächelte aufmunternd.
Hanna versuchte, ihre Stimme möglichst fest klingen zu lassen.
»Also, mein Name ist Hanna und ich bin Waschfrau in der Grobwäscherei hier.«
Sie wollte noch mehr sagen, aber ihr fiel gar nichts mehr ein. Was gab es auch schon über sie zu berichten?
Herr Marlin musterte sie interessiert, sagte aber nichts.
»Und wie ich mitbekommen habe, wolltest du erst deinen Bruder anbieten und der wollte nicht«, fuhr nun König Sinos fort.
»Nun, er arbeitet als Küchenjunge und hat dort wenig Glück«, sprudelte es aus Hanna heraus. »Ich kümmere mich seit dem Tod unserer Eltern um ihn und es wäre so eine einmalige Gelegenheit gewesen. Aber er hat das anscheinend noch nicht verstanden.«
»Du warst die Einzige, die sich gemeldet hat«, sagte nun Herr Marlin. »Vielleicht hast du ja etwas nicht so ganz verstanden.« Die Worte klangen sehr herablassend und machten Hanna wütend.
»Ich denke, das habe ich wohl. Es wäre ein neues Leben!«, rief sie aus.
»Ein Leben voller harter Arbeit und anstrengender Reisen. Ein Leben voller Gefahren und Risiken. Das Leben als Knappe ist nicht zu vergleichen mit dem angenehmen Dasein als edle Dame.«
Auch Herr Marlin war lauter geworden und kam ihr einen Schritt entgegen. Nun stand er direkt vor ihr und starrte sie wütend an. Sie blickte in seine dunklen, glühenden Augen und merkte, wie ihr ein Schauer über den Rücken lief.
»Ein Leben an der Seite des Verfluchten!«, flüsterte er nun.
Hannas Herz klopfte wild. Seine Präsenz war zu nah - doch sie wich nicht zurück.
»Ich glaube nicht an dummes Gerede«, entgegnete sie und blickte ihm fest in diese viel zu dunklen Augen. Sie erlebte es selbst jeden Tag, wie die Geschichten aufgebauscht wurden, versuchte sie sich zu beruhigen.
Ihre Reaktion schien den Ritter überrascht zu haben, denn er senkte den Blick und brachte wieder etwas mehr Abstand zwischen sie.
»Das hatten wir nicht gemeint, du weißt das ganz genau«, wandte der König sich nun direkt an den Ritter.
»Ich halte mich an mein Wort«, entgegnete Herr Marlin nun ruhig und blickte erst zu seinem König und dann zu seiner Tante.
»Wie soll denn ein Mädchen dieses harte Leben neben dir durchhalten können?«, meinte die Königin mit enttäuschter Miene.
»Majestät, verzeiht, aber ich bin durchaus in der Lage, hart zu arbeiten. Ich werde alles tun, was Herr Marlin von mir verlangt«, begehrte Hanna auf und drehte sich zu dem Ritter um.
»Bitte, Herr!«, flehte sie nun eindringlich.
»Solange, bis du von selbst aufgibst”, knurrte er leise.
Die Königin musterte sie eingehend.
»Vielleicht ist es sogar von Vorteil. Sorge dafür, dass mein Neffe genug zu essen hat und warm angezogen ist. Wenn du ihn ein wenig bremsen kannst bei seinen Reisen, wird er sich bestimmt nicht mehr so verausgaben.«
Auch der König nickte langsam und seufzte.
»Wir haben nichts zu verlieren. Also schön, Marlin, hier hast du deinen Knappen. Zeig ihr eines der leeren Dienstbotenkammern und tu, was du für richtig hältst.«
Damit wies er beiden den Weg zur Tür.
Sowohl Hanna als auch Herr Marlin blieben einen Moment unschlüssig im Gang stehen, bis sich der Mann umdrehte und wortlos eine weitere Treppe nach oben nahm. Rasch folgte Hanna ihm und starrte ihm in den Rücken, während sie die Stufen hinauf schritten. Noch immer mühte sie sich, diesen Schauer wieder los zu werden. Ob sie doch zu leichtfertig gewesen war?
Zwei Etagen weiter oben bog Marlin in einen Flur ein. Hier wirkte alles längst nicht mehr so prachtvoll wie in den Räumen unten. Vor einer Tür blieb er stehen und öffnete sie. Hanna sah in einen kleinen Raum, der kaum mehr enthielt als ein Bett und eine große Truhe.
»Das ist nun deine Kammer. Mein Zimmer ist am Ende des Ganges, wenn ich etwas von dir brauchen sollte, dann rufe ich dich.«
Damit drehte er sich um und ging davon. Endlich konnte sie wieder klar denken.
Wie angewurzelt blieb sie in der Kammer zurück und sah sich um. Sie konnte es kaum glauben, ein ganzer Raum nur für sie allein. Ein hölzernes Bett stand vor ihr, mit Laken bezogen, die sie wahrscheinlich selbst gewaschen hatte. Und die Bettdecke war mit echten Gänsedaunen gefüttert und alles roch frisch und angenehm. Sie trat an das kleine Fenster, legte die Hand gegen das geschliffene Glas und schaute hinaus. Von hier aus konnte sie sogar noch den Turm mit dem prachtvollen Götterrad sehen. Sie betrachtete die große vierfarbige Scheibe. Ihr Blick verweilte in dem grünglänzenden Jadeviertel, in dessen Mitte der kupferne Fuchs leuchtete. Ihrer Schutzgöttin Lüri ein kurzes Dankgebet flüsternd, ließ sie das Glas los und trat zurück.
